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Aus der Geschichte unseres Dorfes
(Auszug aus der Festschrift der 800 Jahr
Feier von 1967)
Bei den
Jahrhundertfeiern unserer Städte und Dörfer ist es Brauch geworden, den
lebenden Generationen einen Einblick in die geschichtliche Vergangenheit
der Gemeinde zu geben.
Für Oberkalbach ist
dieses Vorhaben nicht ganz einfach, weil die alten Chroniken, die
Aufschluss über Vergangenes geben könnten, nicht mehr vorhanden sind.
Sie sind, wie so viele wertvolle Dinge, dem Moloch Krieg zum Opfer
gefallen.
Dennoch soll versucht
werden, dem interessierten Leser in einer kurzen Darstellung die
wichtigsten Ereignisse aufzuzeichnen, um zu zeigen, dass auch ein
kleines Dorf seine Geschichte hat, die mit der Weltgeschichte eng
verknüpft ist.
Zum erstenmal
urkundlich erwähnt wird Oberkalbach im Jahre 1167. Es ist die Zeit, in
der Kaiser Friedrich L, Barbarossa, bei seinem vierten Italienzug gegen
den Papst eine schwere Niederlage erleidet.
Das Kloster Schlüchtern
stand damals unter der Schutzherrschaft des Bischofs Herold von
Würzburg. Dem Marquard von Grumbach, einem Freund Kaiser Rotbarts, wurde
die erbliche Schutzhoheit über das Kloster von dem Bischof verliehen.
Zu den Besitzungen des
Klosters gehörte neben Bellings, Hohenzell, Oberzell, Gundhelm,
Kressenbach, Wallroth, Breitenbach und Marjoß auch das Dorf Oberkalbach.
Eine Kirche soll bereits damals hier gestanden haben. Der Name unseres
Gemeinwesens lautete urkundlich auf Kalbaha. Über die nächsten
150 Jahre liegen keine besonderen Aufzeichnungen vor.
Vom 16. April 1316
erfahren wir dann, dass Ullrich II. von Hanau Burg und Gericht
Brandenstein kauft, dem neben Elm und Gundhelm auch Oberkalbach
zugehörte. Von dieser Zeit an spricht man vom „Hanauischen Gericht".
Nördlich von Oberkalbach gab es einst eine Siedlung „Bernhelms", über
die unsere Gemeinde Rechte ausübte. Seit 1545 ist sie nicht mehr
vorhanden, also eine Wüstung.
Die Neuzeit ist
angebrochen, die Reformation hat stattgefunden. Petrus Lotichius, der
spätere Abt des Klosters Schlüchtern, reist als Student nach Wittenberg
zu Philipp Melanchthon, dem Freunde Martin Luthers.
Den protestantischen
Priestern wird die Ehe und den Laien der Kelch beim Abendmahl gestattet.
Gegen die Priesterehe und den Laienkelch verwahrt sich neben anderen
Geistlichen unseres Heimatkreises ein Kaplan namens Valentinus Kolb zu
Oberkalbach.
Unter den ersten
geprüften evangelischen Pfarrern, die auf der Schule in Schlüchtern ihr
Examen abgelegt haben, ist ein Hartmannus Gottfriedus, der Pfarrer in
Oberkalbach ist. Dieser Hartmann Gottfried versorgte auch die Gemeinden
Gundhelm, Hutten und Elm. Wenn man bedenkt, dass es damals die heute
auch den Pfarrern zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel noch nicht gab,
dann kann man über die Marschleistungen dieser Geistlichen nur staunen.
Im Jahre 1587 wird, ausgelöst durch die Unruhen der Religionskriege, von
den vier Ämtern der Obergrafschaft Hanau die Erfassung der wehrhaften
Männer in einem Verzeichnis verfügt. Das Amt Brandenstein, dem
Oberkalbach untersteht, erfasst die Männer unserer Gemeinde:
36 Schützen (18 ohne
Sturmhaube),
17 Federspießer
(ebenfalls ohne Sturmhaube).
Bei einem Brand waren
den Oeberkalbichern alle Harnische verbrannt. Viele waren in ihrem
Harnisch so ungeschickt, dass sie ihn wieder ablegen mussten. Wir
schreiben das Jahr 1596. Ein kaiserlicher Kammerrat reist das Kinzigtal
hinab. In dieser Zeit ist das deutsche Reich ohne politische Bedeutung.
Mittelund Norddeutschland sind fast völlig protestantisch, West- und
Süddeutschland durch die Gegenreformation vorwiegend katholisch.
In der Chronik des
Kreises Schlüchtern wird zu diesem Jahr der Kreuzhof zu Oberkalbach
erwähnt. Es kann angenommen werden, dass sich dieser Hof an der Stelle
des heutigen Kreuzackers befand, der etwa 300 m außerhalb Oberkalbachs
liegt.
Aus dem Jahre 1634,
also in der Zeit des 30jährigen Krieges, wird berichtet, dass
Oberkalbach von den Kaiserlichen gebrandschatzt wurde. Das war nach der
Schlacht bei Nördlingen, wo die kaiserlichen Horden mordend und sengend
durch das Hanauer Land zogen. Das Pfarrhaus und ein großer Teil des
Dorfes wurden ein Raub der Flammen.
Aus dem Jahre 1658 wird
von einem sehr strengen Winter berichtet, wo in Oberkalbach viel Vieh
und auch Menschen erfroren sind. Weitere harte Winter waren in den
Jahren 1696, 1725, 1740.
Aus der Zeit zwischen
1730 und den folgenden Jahren wird erzählt, dass der damalige Pfarrer
von Oberkalbach Joh. Daniel Richter scharf gegen die Katholiken
predigte. Die Uttrichshäuser Katholiken rückten deshalb einmal bei Nacht
mit Gewehren vor sein Pfarrhaus.
Neu erbaut wurde das
Pfarrhaus in Oberkalbach im Jahre 1737. Die neue Kirche entstand in den
Jahren 1848 bis 1850.
Im Jahre 1811 wurden
die Katholiken von Uttrichshausen von der Verpflichtung entbunden, ihre
Kinder in Oberkalbach taufen zu lassen.
Genaue Zahlen über die
Größe der Einwohnerschaft der Gemeinde sind erst ab 1835, teilweise nur
sehr lückenhaft, bekannt. Die höchste Einwohnerzahl hatte Oberkalbach
danach im Jahre 1885, nämlich 808. Im Jahre 1917 waren es nur noch 618,
und heute nicht ganz 600.
Über die Verluste im
deutsch-französischen Krieg 1870/71 sind keine genauen Zahlen bekannt.
Das Absinken der
Bevölkerungsziffern ab 1885 lässt sich mit der Abwanderung vieler
Familien nach Westfalen und in das Ruhrgebiet erklären. In den ersten
Jahren unseres Jahrhunderts übersiedelten einige Familien in das Gebiet
von Hanau und Frankfurt am Main, weil sich in Oberkalbach kaum
Erwerbsmöglichkeiten boten.
In den Jahren nach dem
zweiten Weltkrieg ist durch den wirtschaftlichen Aufschwung auch in
unserer Gemeinde ein allgemeiner Wohlstand eingetreten, so dass es eine
echte Armut nicht mehr gibt. Das von Jahr zu Jahr sich verschönernde
Dorfbild mit seinen Menschen beweist, dass die Gemeinde Oberkalbach
aufgeschlossen ist für gesunden Fortschritt sowie für den Anschluss an
die Errungenschaften der Zivilisation, der Technik und der Kultur.
Lehrer
O. Schindewolf
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